neptunia die blubbernixe

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logbuch-auszüge aus den nebelpfaden ... schon recht verstaubt, aber ...


____________ aus dem logbuch ___________________

erstellt am 05-01-2004 um 11:27
definitions-versuch: wenn man mit jemandem (oder mehreren) einen saufen geht, hat es nicht zwingend mit alkohol zu tun (naja, in den meisten fällen dann doch), es geht viel mehr um die eroberung einer kneipe zum zweck des sich-über-gott-und-die-welt-amüsieren bis man rausgeschmissen wird.

erstellt am 11-01-2004 um 12:34
edit: nachtrag: grad ist mir wieder der traum von letzter nacht eingefallen ... ich neige zu ziemlich unangenehmen todesträumen. ich sterbe sehr oft in meinen träumen, oh mann, allerdings wache ich immer auf, bevor ich wirklich tot bin. diesmal hat man mir die haut vom leib gezogen. ich hab es genau gespürt, konnte aber gleichzeitig zusehen. irgendwie war ich ganz schön blutlos, und ausgesehen hab ich wie einer dieser ausgestopften menschen von dr. hagen ...

erstellt am 19-01-2004 um 00:14
in remembrance of a dead friend: ich wünschte, ich hätte mit dir nochmal sprechen können, dieses seltsame missverständnis aus dem weg räumen ... jedes jahr an diesem tag muß ich daran denken ... ich hoffe, es geht dir gut, da wo du jetzt bist. happy birthday, schätzchen, ich denke, die flügel stehen dir gut ...
nachtrag: ein paar neue sind dazu gekommen. perfekt gesetzt. haut und seele - sinnesorgane ... morbide schönheit ...
und: noch zwei tage. beinahe gerettet. aber doch verloren.

erstellt am 20-01-2004 um 00:20
da bin ich also in meiner nußschale - aus dem unendlich großen ozean - die dunklen wellen wiegen mich leise - fast in den schlaf. das ufer ist noch in sichtweite. keiner hat bemerkt, daß ich schon längst verschwunden bin. ich hab ihnen meine leere hülle zurück gelassen. und langsam, ganz langsam treibe ich auf den rand der welt zu. noch vier jahre und ein tag, dann bin ich da. tiefer friede füllt mich langsam. nur in einer verborgenen ecke zappelt ganz wild die frage, ob ich bis dahin alles erledigt haben werde ... ich denke schon. und sie werden mich nicht vermissen.

erstellt am 13-02-2004 um 00:10
tag vierundvierzig
zeit für die geschichte vom schokoladenkuchen.
jeden tag gehst du an der konditorei um die ecke vorbei. und immer erfüllt dich dann die unendliche sehnsucht nach schokoladenkuchen. denn da war dieser tag vor langer zeit, als du diesen unglaublich guten schokoladenkuchen bekommen hast, obwohl du doch was anderes bestellt hattest. es war genau in dieser konditorei. und du hattest ihn genußvoll gegessen, bissen für bissen. und sein bittersüßer schokoladenüberzug hatte dich mit diesem tiefen glücksgefühl erfüllt. noch wochen später kam kein anderer kuchen auf deinen teller. dabei war es doch nur ein zufälliges, einzelnes stück ... seit diesem tag gehst du immer wieder in die konditorei. du wählst den tisch mit blick auf das kuchenbuffet. lauter leckere kuchen. aber der platz vom schokoladenkuchen ist immer leer. die kellnerin kommt und du bestellst dir eine tasse kaffee und einen schokoladenkuchen. aber er ist immer aus. grade das letzte stück weg. aber morgen, morgen soll es wieder einen geben. und je nach stimmung nimmst du dir einen anderen, leckeren kuchen. aber es ist nicht das gleiche. apfelkuchen. karottenkuchen. schwarzwälderkirsch. nicht schlecht, aber keiner kommt an ihn heran. und manchmal nimmst du dir nur einen schwarzen kaffee und blickst auf die leere stelle zwischen all den anderen kuchen ... wenn du kein geld hättest, wenn kein platz frei wäre - gut, damit könntest du leben. solange er einfach da wäre. du würdest ihn sogar klauen! aber er ist einfach schon weg wenn du kommst. oder noch nicht da. immer falsches timing. erst letzte woche hattest du mal wieder ein stück schwarzwälderkirsch. und hast nicht daran gedacht, daß dir von sahne schlecht wird. und das stück, daß dir der italienische aushilfskellner vor zwei tagen servierte - unbestellt - darüber wollen wir garicht reden ... nagut. du verläßt die konditorei und gehst weiter zum kino. gut, daß du immer eine prinzenrolle dabei hast ... besser als nichts. aber nur noch ein stück schokoladenkuchen bevor du stirbst - ach.
wie kommt man auf so absurde gedanken? liegt es an dieser seltsamen amerikanischen creme jetzt grade nach dem duschen, die nach muffins riecht?? es steht was von ginger, shea butter und lemon drauf - vielleicht soll man sie ja essen ... gibt es auto-kanibalismus???
neptunia - gedankenversunken an ihrem kleinen finger kauend ...

erstellt am 18-02-2004 um 01:20
tag neunundvierzig
an meine zaunpfähle hab ich mich ja gewöhnt. irgendwie. aber die letzten zwei wochen waren überfüllt mit dejavu's. und die pissen mich an.
ich hab vergessen, daß es nicht wirklich gut ist, jeden tag weg zu gehen, zu wenig schlaf, zuviel kater, eine verschobene realität.
ich hab vergessen, daß spätestens die fünfte anmache langweilt.
ich hab vergessen, wie simpel männer gestrickt sind, und das man immer den einschaltknopf findet, aber daß der liebe gott den ausschaltknopf vergessen hat.
ich hab vergessen, daß leere tische um einen herum nicht beschützen vor unliebsamer gesellschaft.
ich hab vergessen, warum ich meine guten, alten freunde immer mitnehme. und lieber ihre hundeblicke ertrage.
ich hab vergessen, wie kalt und einsam bahnhöfe in der nacht sind.
ich hab vergessen, daß es immer immer immer gleich abläuft.
ich hab vergessen, daß es immer immer immer gleich abläuft.
ich hab vergessen, daß es immer immer immer gleich abläuft.
gut. jetzt weiß ich's wieder.

nachtrag: by the way, sollten mich die schatten langsam ängstigen? nein. wie nannten sie es bei psi? infraschall. bitte. laß es infraschall sein ...

erstellt am 21-02-2004 um 13:19
tag "einervonvielen"
doomsday. dieses licht da draußen macht mich verrückt. es ist gelb. wolken und gelbes licht. nicht grau, nicht blau. gelb. und jedes licht, das man dagegen setzt, ist noch seltsamer. kerzen, lampen, die blaue beleuchtung von meiner anlage, meinem handy, alles überzeichnet. ich mag gelb nicht! husch husch, sahara, zurück nach afrika!

erstellt am 27-02-2004 um 22:48
tag achtundfünfzig
weird day, nice day. da hab ich ein volles jahr damit verbracht, alle fähigkeiten zu erlangen um die realität zu meinem gunsten beeinflussen zu können. um dieses jahr festzustellen, daß es doch nicht funktioniert. und jetzt? jetzt weigere ich mich einfach, über alles, was die nächsten 5 stunden betreffen könnte, nachzudenken (geschweige denn über das danach) und schon passiert das, was ich sonst gerne gehabt haben würde. ich rechne mit nichts und bekomme mein geliebtes vampir-lächeln. inklusive zwei allerliebster verabredungen. ich bin eine reiche, glückliche frau. (abgesehen davon montag in angenehmer gesellschaft, mittwoch das sushi-essen, das ich aber leider verschieben muß - und natürlich freitag mit meinem philosophen, hätte ja gar nicht mehr mit ihm gerechnet, sieht nach kultur aus) wenn ich nur verstehen würde, warum die dinge so passieren, wie sie passieren???
ich weiß einfach nicht, in wie weit das, was ich tue/denke/fühle/weiß, einfluß hat auf das, was passiert?? der gedanke, daß es egal ist, ist sehr zweischneidig. ich will nicht wirklich, daß es egal ist, auch wenn es bequem ist. es ist ok, wenn man etwas für die glücklichen momente tun muß. es macht mich mißtrauisch, wenn es einem einfach nur geschenkt wird. sowas einfach anzunehmen fällt mir schwer, kann man das lernen?? es ist so konträr zu den alltäglichen dingen des lebens. ich weiß, ich bekomm nichts geschenkt. alles, was ich brauche, muß ich mir erarbeiten. das ist ok, dann muß man nämlich auch niemandem dankbar sein. ich weiß aber auch, solange ich dazu bereit bin, ist immer genug da. ich hab keine existenzangst. never had. nada. ok, glückliche momente werden geschenkt, lebensstandard wird erarbeitet. geht das mal in mein hirn????
ungefiltert, angeschickert, verwirrt (wie immer)

erstellt am 29-02-2004 um 16:48
tag sechzig eigentlich wollte ich heute ja einen dämonen abschießen. hatte mich schon richtig drauf gefreut. aber ich kann nicht. er ist alt, resigniert und zahnlos. ein wimpernschlag und er fällt um. ein sanfter hauch und er ist in alle winde zerstreut. weg issa. rest in peace i guess.

erstellt am 02-03-2004 um 01:41
nacht einundsechzig/zweiundsechzig
die dritte nacht in folge, die ich mal wieder nicht schlafen kann... scheint an dem satz zu liegen, der mich den ganzen tag verfolgt. der mich begleitet, seit ich denken kann. tausende erinnerungen gespickt damit, seit ich 4 oder 5 bin. der satz?
"oh mein gott, was mach ich hier, was mach ich hier, was mach ich hier ..."
heute den ganzen tag beim arbeiten - und ich hab früh angefangen. heute beim weggehen. nettes konzert, jüdisch-arabischer tango-jazz - sinnlich, wehmütig. und trotzdem frag ich mich, was ich unter all diesen leuten suche. ich hör mich nett plaudern und lachen und hab keine ahnung, wer das eigentlich tut. (dazu paßt eigentlich das foto von heute abend, digicam, viele leute an einem tisch, da wo ich sitze nur schwarz, körper und haare verschmelzen mit dem hintergrund, alles, was man von mir sieht, sind schneeweiße hände und gesicht die irgendwo in der luft hängen, weird, wie in diesen japanischen animes wenn ein vampir sich langsam materialisiert...)
auch wenn dieser satz letztendlich rhetorisch ist, mich quält die frage, die daraus resultiert:
wenn ich nicht hier sein will, wo dann?

erstellt am 06-03-2004 um 13:46
tag "jedertag"
komm, neptunia, komm! ich warte schon auf dich! ich bin dein schwarzes loch. es wird wieder zeit. zeit für den sturz ins bodenlose. du hattest deine erfüllte woche. jetzt fordere ich mein recht. ich hab schon alles vorbereitet. sie warten auf dich. die einsamkeit im menschenüberfüllten raum, die zerfleischenden selbstzweifel, die unerfüllte sehnsucht nach was-weiß-ich, die kalte dunkelheit. mach es dir bequem und bleib so lange du willst. und ich werde dich noch etwas länger hier behalten ... komm schon!

erstellt am 19-03-2004 um 17:37
märchentag
es war einmal. und neptunia, die männermordende wasserhexe, küßte alle kröten, die an ihrem tümpel vorbei kamen. und alle waren verzauberte prinzen. doch sie alle waren nicht überlebensfähig in diesem tümpel und verwandelten sich in wasserleichen.
da kam lord m. vorbei - im königlichen auftrag um nach den verschwundenen prinzen zu suchen. und er fragte neptunia: "was willst du wirklich?" und neptunia antwortete: "eine kröte, eine echte schleimige kröte. eine, die man küssen und gegen die wand schleudern kann. eine, die ist was sie ist.

an dieser stelle teilen sich die überlieferungen und das märchen findet unterschiedliche endungen:
a: daraufhin erschlug lord m. neptunia, die männermordende wasserhexe, um die erde vom übel zu befreien. allerdings kam es neptunia sehr entgegen, sie war schon längst des lebens überdrüssig und wartete schon sehnsüchtig auf das nächste leben als meeresschaum.
b: und lord m. beugte sich zu neptunia, küßte sie und verwandelte sich in einen grottenolm. allerdings mußte er weiterziehen, denn der tümpel war zu klein

in einem anderen ende heiraten die beiden und leben glücklich bis an ihr lebensende, aber dieses ende wurde rechtzeitig von der lilithisch-emanzipatorischen fraktion ausgemerzt.

erstellt am 22-03-2004 um 15:15
tag zweiundachtzig
wirklich schon so lang?
diese zerrissenheit wird immer größer.
einerseits die realität, die es wirklich gut mit mir meint. ständig kleine aufmerksamkeiten aus den unterschiedlichsten ecken. und ich freu mich drüber. kleine zaunpfählchen, die es mir unmöglich machen, was dummes anzustellen.
andererseits diese dunkle wolke. eigentlich begleitet sie mich schon so lange ich denken kann. es ist ganz einfach tiefe traurigkeit. so eine, die einen verschlingt. hat schon an mir geknabbert, als ich noch kind war. und im moment regiert sie mein komplettes denken und fühlen. zwischendurch nur ganz kleine aufblitzer, ein kleines bißchen euphorie. ja ich weiß. klingt nach manisch-depressiv. wie mein onkel und mein vater. erbstück ...
(oh, wie nett, grade nick cave im radio ....)
... come sail your ships around me and burn your bridges down ...
wie lang noch? und wohin?

erstellt am 24-03-2004 um 01:47
tag vierundachtzig
es hat den ganzen tag geschneit. es schneit schon die ganze nacht. morgen soll es auch schneien. es ist wie ein großes kissen, mit dem man ein kind erstickt.
mal sehen, wer morgen noch lebt ...

erstellt am 31-03-2004 um 20:04
tag zweiundneunzig
ruhiger mittwoch
eineinhalb wochen hab ich das haus nicht verlassen. zu viel schnee. zuviel arbeit. und viel besuch. aber heute, heute hab ich mir meinen off-tag gegönnt. zuerst fast zwei stunden englisch-institut. to perfectionate my perfect english. bis der kopf raucht. und dann hugendubel. eigentlich wollte ich nur schnell nach einem Buch schauen. es wurden natürlich fünf. ein alles-in-allem-bachblüten-buch (so l
lächerliche tröpfchen beamen mich mehr woanders hin als alle drogen die ich bisher ausprobiert hab ...). und ein finger-mudras-buch (auf der verzweifelten suche nach innerer ruhe. ok, yoga und meditation inklusive. dachte, ich könnte es ignorieren, but who knows?). und ein buch über zarathustra (solange hab ich danach gesucht, und heute leuchtete es gelb direkt vor meiner nase ...). und noch zwei andere schnickschnack-bücher ...
und dann das beste: ein sonnenplatz in einem abgelegenen cafè, espresso und wasser und fünf zigaretten. und alles für mich alleine.
und dann: saturn hansa, arbeits-kleinkram (druckertinte kostet fast die welt) - und dann stand ich lange vor dem dvd-player. bis jetzt hab ich meine dvd's im rechner angesehen. aber die qualität ist da nicht soo super. vor allem der ton. hm. heute hatte ich niemanden dabei, der mir den letzten kick gab. nur eine einzige überzeugende stimme, und er ist dann halt am freitag meiner. und nicht zu vergessen die zugfahrt, vertieft in den büchern ... und die ganze zeit war es unnötig zu reden. dafür konnte ich die anderen beobachten. diese art der einsamkeit mag ich. um mich herum mein persönliches unterhaltungsprogramm und ich kann einfach konsumieren.
yes. es mag seltsam klingen, meine beiträge hier sind nie sehr kurz ... und ich scheine auch gerne zu plaudern. aber wenn ich ständig von leuten umgeben bin und reden muß und agieren muß und keine ruhe finde, dann bin ich restlos überfordert. ohne die ruhigen stunden ordnen sich die wahrnehmungen in meinem kopf nicht. das ist wohl auch der grund, warum ich nachts nicht schlafe, obwohl ich könnte. aber es ist die einzige zeit am tag, in der ich die ruhe finde. wenigstens für den körper. und wenigstens heute.

erstellt am 01-04-2004 um 14:19
... eine hyazinthe hat sich schon bei mir gezeigt ... nur die schneeglöckchen von vor zwei wochen sind tot, mistschnee ... wenn ich jetzt sag, daß ich immer versuch zu ignorieren, daß jemand mitliest (jemand? aargh, nein, mehr als einer!), klingt es wahrscheinlich geziert ... bin hin und her gerissen, einerseits freut es mich, daß es interessant genug zu sein scheint, andererseits wundere ich mich über meinen eigenen hang zum exhibitionismus ...

erstellt am 04-04-2004 um 10:44
tag sechsundneunzig
heute nacht hat mir der mond den rücken gewärmt ... ich bin aufgewacht, mit einem wohlig warmen gefühl, und als ich mich umdrehte, blickte ich direkt in dieses strahlende licht ... kann man so ein gefühl aufheben, für kalte zeiten?

erstellt am 10-04-2004 um 19:16
eigentlich immer noch nicht hier ...
part II mittelohrentzündung.
ein relikt aus meiner kindheit - 1
in den letzten monaten ist vieles passiert, was mir schon lange nicht mehr passiert ist. es scheint eine umgedrehte chronologie abzulaufen. ich bewege mich rückwärts in meiner eigenen vergangenheit. und dann diese ohrenschmerzen, sie gehören in meine kindheit, das letzte mal hatte ich sie vor über 20 jahren ... es gibt nicht mehr viel davor, woran ich mich erinnern kann. nur ein bild:
ich liege in einem kleinen raum, im bett. vor mir am fußende ist dieses schreckliche loch. es ist furchtbar laut. es ist kalt. das loch ist blendend hell und schwarz zugleich. es saugt die energie aus meinem körper. ich friere ... rechts von mir steht eine gestalt, ich sehe eigentlich nur die umrisse. sie scheint mich zu schützen. nur soviel, ich hab dieses bild schon entschlüsselt. aber wenn ich weiter zurückgehe, dann kehre ich auch wieder in dieses bild zurück. und was war davor?
es ist beunruhigend. nein, ich hab einfach scheiße angst.

erstellt am 10-04-2004 um 19:34
eigentlich immer noch nicht hier ...
part III
ein relikt aus meiner kindheit - 2
diese vielen krankheiten als kind. ich war ständig erkältet, sicher 5-6 mal im jahr, bronchitis und mittelohrentzündung waren meine ständigen begleiter. in dieser zeit hab ich besonders viel gelesen. mit elf hatte ich nicht nur alle üblichen kinder-bücher durch, sondern tausend (sogutwie) andere auch, inklusive aller simmel-romane (die erklärung für meinen hang zur dramatik?) mit zwölf hab ich mich dann an die klassiker gemacht ... jedenfalls war ich mehr in diesen welten zuhause als in meiner eigenen. und damals hab ich das gefühl entwickelt, daß nichts wirklich ist.
konstuktivismus pur. nichts konnte mir beweisen, daß die welt, die ich zu sehen und zu hören schien, wirklicher war, als diese bücher. und eigentlich war ich irgendwie davon überzeugt, als gehirn im reagenzglas eines verrückten wissenschaftlers zu existieren. oder als prototyp für künstliche intelligenz. jedenfalls nicht real. mir geht es heute immer noch so, daß ich einige zeit brauche, um zum beispiel nach einem guten kinofilm in die "wirklichkeit" zurückzukehren. und wenn ich arbeite, dann bin ich sowieso in einer anderen welt, mit einer vollkommen anderen sprache, nonverbal, nur farben, striche und flächen.
und deshalb der grund, warum ich hier soviel schreibe. als ob es nur für mich wäre. wer sagt, daß es euch gibt? noch habe ich keinen von euch gesehen oder gehört.
welcher verrückte professor hat dieses seltsame nachtwelten-programm geschrieben? und wieviel andere arme seelen sitzen vor ihrem rechner, glauben sie seien im worldwideweb und kommunizieren mit dem betriebssysteminternen aber nichtvernetzten board-programm? vielleicht daher die manchmal durchgeknallten, weil programmgenerierten beiträge?
bin ich das programm? ok. degenerierte grüße aus dem reagenzglas.

erstellt am 14-04-2004 um 00:43
tag hundertfünf
"mysterientag"
drei sehr persönliche mysterien.
das mysterium des "nichtvollziehbaren suizids":
(auch wenn es jetzt nicht aktuell ist.) einige male stand ich an wendepunkten in meinem realen leben, da gab es eigentlich nur einen weg. aber immer, wenn ich den einen schritt machen wollte, stellten sich tausend dinge in den weg. und ich konnte nicht weitergehen. mußte einen anderen weg finden. besser ist es da auch nicht mit meinen virtuellen leben. manchmal möchte man sich eben einfach auflösen. es gibt mich bei icq. aber ich kann mich da nicht löschen. ich geh durch dieses menue und antworte brav auf die frage: "wollen sie den account wirklich löschen??" mit "JA!". daraufhin scheint das programm mit "dem großen server" in einen ewigen disput zu fallen. und sie reden und reden und reden und löschen doch nicht ... und auch hier, hier wollte ich mich auch herausstehlen. und da gab es diesen meinen dümmlichen beitrag in einem dummen aber geschlossenen thread. und der zuständige mod erklärte mir geduldig, daß der beitrag nicht gelöscht wird. ich denke nicht, daß ihm bewußt war, daß er mich damit vor einem virtuellen selbstmord gerettet hat (danke! *zwinker*). manche dinge erscheinen seltsam, grausam - aber unabänderlich ...
das mysterium des "temporären vakuums":
immer, wenn es mir physisch oder mental nicht besonders gut geht, betrete ich eine art vakuum, abgeschnitten von der außenwelt. keine email, sms oder telefonanruf dringt zu mir, mein aufenthaltsort scheint unbekannt. keiner meiner freunde scheint zu bemerken, daß es mir nicht gut geht. und dann, wenn ich schon ganz kleinmütig und resigniert bin, dann plötzllich melden sich alle. als ob sie bemerkt hätten, daß nummer 253 auf ihrer liste gar keinen mucks mehr von sich gibt. doch, es ist ok. nur. manchmal würde ich gern weiter oben auf der liste stehen. beim einen oder anderen. egal.
das mysterium des "wasserstoffs":
die letzten jahre hab ich meinen haaren eine pause gegönnt. ich hatte bisher wohl alle haarfarben die käuflich zu erwerben sind. letztes jahr war es stärker als ich und ich hab begonnen die haare zu tönen. manchmal alle 14 tage. rot. schwarz. mahagoni. immer anders und selten hat jemand ein wort dazu gesagt. dann wurde es mir zu lästig. und ich hab mich auf eine farbe festgelegt. wasserstoffschwarz. aber eben doch nur schwarz. und jetzt? sogar jetzt nach über sechs wochen sind sie alle immer noch erstaunt, entsetzt, irritiert ... es ist so schwarz wie davor?!?!??! und ich bin so blaß wie davor??!!?!?! buh!!
und wo wir gerade bei mystik sind:
einen wunsch hätte ich an den dunklen nachthimmel: wenn ich schon nicht bekomme, was ich wirklich will, dann bescheide ich mich mit folgendem wunsch: ich hätte gerne zwei paar flügel, und bald. ganz bald. (nein, das ist nicht unbescheiden. im gegenteil. ich berichte, wenn ich sie bekommen hab ...)

erstellt am 14-04-2004 um 12:34
"Was willst Du denn wirklich?"
ein ort, der mir ruhe gibt.
ein mensch der mir ruhe gibt.
ruhe, die da ist, wenn ich sie brauche.

erstellt am 18-04-2004 um 00:28
tag hundertacht
"sturm im wasserglas"
und dann wieder diese träume. gefüllt mit angst. und wenn ich aufwache rast mein herz. und ich möchte nie mehr einschlafen. ich bin müde.
nachtrag:
sonntag nachtmittag. der magnolienbaum im nachbargarten blüht!
die äpfel- und birnenbäumchen in meinem garten auch!
mein bambus bekommt blüten!
nur mein kirschbäumchen ist tot.
nothing is perfect ...

erstellt am 20-04-2004 um 14:20
... aber das mit den träumen, du hast recht, man kann sie irgendwie beeinflussen. immerhin wache ich mittlerweile auf, bevor ich erschossen + erstochen werde oder am herzinfarkt sterbe. naja, zumindest ein paar augenblicke davor. beeindruckt hat mich allerdings auch der traum vom ende der welt, ich seh aus dem fenster, und alles ist voll feuer, blutroter himmel, schreie, tösender lärm, und während ich gerade verbrenne wach ich endlich auf ... wenn es nicht meine eigenen träume wären, würde ich an maßlose übertreibung glauben ... aber ok, ich versuch das nächste mal an die tür zu denken, in der hoffnung, daß es dahinter angenehmer ist ... brigitte lämmle ... *lächel*

erstellt am 23-04-2004 um 17:57
tag hundervierzehn
"ein flügel-tag"
das erste paar flügel ist angekommen. naja, eigentlich ist aus dem flügel-paar wieder nur ein paar flossen geworden, dafür aber sehr hübsche. leider noch nicht ganz fertig, weil nach einer stunde mein kreislauf sich verabschiedet hat. aber dafür darf ich nochmal mario besuchen ... und hinterher ein kurzer kaffee mit meinem teufelchen ... weird one ...

erstellt am 27-04-2004 um 00:04
tag hundertsiebzehn
"telefontag"
heute keinen gutenachtfilm mehr. heute hatte ich besonders ausgiebig mit meinem lieblingsfeind zu tun: dem telefon.
wie sehr beneide ich die leute, denen es nichts ausmacht, einfach mal schnell wildfremde leute anzurufen, um wichtige (?) dinge zu regeln. für mich war es schon immer die größte überwindung. ein anruf am tag war das äußerste. und heute? heute ertappe ich mich, wie ich mit dem einen telefon am einen ohr ins andere, mobile (?) spreche: "ich ruf zurück" ... und es sind keine privaten gespräche, nein, diese fucking "oberwichtigen" geschäftlichen. und ich bemühe mich stets, mich vor jeglicher verantwortung zu drücken. ich hab deshalb sogar einen festen job gekündigt, wirklich. aber es scheint auf meiner stirn zu stehen "was sie anfasst, zieht sie durch, just in time". und ich freu mich über dieses vertrauen, aber es ist weit weniger tugendhaft, dinge gewissenhaft zu erledigen in größtmöglicher perfektion. es ist ganz simple angst vor kritik. und der beste weg kritik zu entgehen ist, keinen ansatzpunkt dafür zu bieten ...
und so klingelt also wieder mein telefon und ich sag wieder ja. und es liegt mir nicht wirklich, den großteil meiner zeit mit arbeit zu verbringen. und nicht mal der gedanke, daß es eh im müll landen wird, tröstet mich. (nein ernsthaft, das schätze ich tatsächlich an meiner arbeit, es ist sterblicher gedankenmüll) aber kein lottogewinn oder millionär kreuzt meinen weg. und für meinen lebensstil ist dieses kleingeld dann doch nötig ...
es lebe der hedonismus!
nieder mit den telefonen!

erstellt am 28-04-2004 um 19:14
tag hundertachtzehn
grade bin ich zurück gekommen von einem angenehmen tag. obwohl ich heute tausend sachen zu erledigen hatte und hundert termine, war es trotzdem angenehm. irgendwie hab ich es geschafft, eine stoische ruhe zu bewahren. ich würde sogar sagen, daß ich mich als person komplett ausgeschaltet hab. und das war soo angenehm. und ich hab heute alles auf seltsam klare weise wahrgenommen - die duftenden bäume, den blauen himmel, den klang der u-bahn, die menschen. es war anders als sonst, sonst geht mir alles auf die nerven, ist zu laut, zu grell. heute konnte ich sogar den ekligen menschen etwas abgewinnen ... zum beispiel dieser alte chinese in seinem jogging-anzug und der grauen bmw-jacke. er war nicht unbedingt ungepflegt. aber auf seinem kinn waren zwei warzen. und aus diesen warzen wuchsen lange weiße haare, unglaublich, wieviel haare auf einer warze wachsen können! fast wie ein bart ... und auch ich schien eine andere ausstrahlung zu haben. meine innere ruhe hat sich auf die anderen übertragen. ich schien vor ruhe und gelassenheit zu strahlen.
könnte ich nur das bewahren ...

erstellt am 30-04-2004 um 00:41
tag hunderzwanzig
"zwei gedanken"
gedanke eins:
noch immer frage ich mich von zeit zu zeit, was ich hier mache, warum ich dieses logbuch "führe". (ich frage mich ständig, warum ich was mache, also nichts ungewöhnliches) und langsam finde ich eine antwort ...
hier sammeln sich meine gedanken, die sich sonst verlieren. es ist kein tagebuch, es ist kein monolog, es ist eine gedankenansammlung. dinge, von denen man einem guten freund nachts um fünf nach zwei flaschen wein erzählen würde. aber soviele nächte dieser art gibt es nicht ...
und trotzdem ist es einfach beruhigend zu wissen, nicht alles geht verloren. ich halte es fest, wenigstens für die kurze zeit, die dieser virtuelle spielplatz für mich offen steht. und mich überkommt schon beinahe eine kindliche freude, wenn mir wieder ein gedanke gut genug gefällt, um ihn festzuhalten ...
aber da ist noch die andere seite. ich bin hier ja nicht wirklich alleine. und natürlich hab ich mich auch gefragt, warum lesen andere meine worte? (abgesehen davon, daß ich auch die worte der anderen gierig lese) und eigentlich ist es ganz einfach: es ist wie ein spiegel. eine selbstreflektion in meinen worten. ich hab so viele reaktionen bekommen. viele scheinen sich selber wiederzufinden, andere blicken eher in einen zerrspiegel und können nichts damit anfangen. trotzdem ist es eine art selbstreflektion. ich betrachte mich selber durch die worte der anderen. und beide blickwinkel stimmen mich zufrieden. jetzt macht es einfach sinn zu schreiben. es ist mehr als der "müll", den ich jeden tag produziere. aber auch nicht so wichtig und lebensnotwendig, daß es ohne nicht mehr gehen würde. nein, es ist luxus.
schon wieder hedonismus.
und ich freue mich über die zufälligen übereinstimmungen. beruhigend zu wissen, daß andere die gleichen verquerten gedanken haben.

gedanke zwei:
in den letzten tagen hatte ich meine rechnungen vom letzten jahr zwischen den fingern, in der hoffnung endlich mit meiner steuer weiterzukommen. aber es waren nicht nur rechnungen, es waren auch eintrittskarten. und diese hab ich zu den anderen eintrittskarten dazu gelegt.
ich glaube, ich sammel diese karten seit ich zwölf oder dreizehn bin. jedes konzert, jeder film, jede ausstellung und jede sehenswürdigkeit. und irgendwann mal kam mir der gedanke, all diese karten auf einen baum zu kleben. zuerst dachte ich, es wird ein großer ast reichen. mittlerweile fürchte ich, es ist schon ein kleiner baum. und ich sponn diesen gedanken weiter und beschloß, einen kleinen geräteschuppen für "meinen baum" zu mieten. oder eine scheune. jedenfalls wollte ich sie innen dunkelrot wie einen chinesischen schrein streichen und fenster einbauen, damit der baum mit all diesen bunten zettelchen leuchten kann. und dann? ja, und dann wollte ich es zum kunstwerk erklären. und eintritt verlangen für "meinen lebensbaum" ... naja, ich sammel mal lieber noch ein paar zettelchen weiter, vielleicht nächstes jahr ...

erstellt am 02-05-2004 um 14:08
tag hundertzweiundzwanzig
"silberfischchentag"
es gibt tage, an denen ich mich fühle wie ein silberfischchen, das sich im scheinwerferlicht verirrt hat und sich unter einem riesigen vergrößerungsglas wiederfindet (verfluchte kurzsichtigkeit - bitte doppelbedeutung bemerken). um mich herum eine horde menschen, die abwechselnd applaudieren, mich mit buh-rufen bedenken - und ich hab nur angst, daß sie mich zertrampeln ... wo ist die nächste dunkle ritze, in der ich mich verkriechen kann? warum hab ich mich tagsüber rausgetraut? nachts ist alles viel sicherer ...
edit: nachtrag
was ist das nur für ein geiles gewitter draußen! ich hab die letzte stunde in meinem geilen wintergarten verbracht, offenes fenster, gequalmt wie blöd, lektüre haruki murakami, kurzgeschichten mit diesen perfekten verwirrenden enden, geblendet von den gelegentlichen blitzen - ein bißchen ruhe für mein hibbeliges ich ...

erstellt am 03-05-2004 um 00:07
tag hundertdreiundzwanzig
"voodoo komm zurück und verschleier mir den blick"
wenn man von seiner voodoo-freundin schon verhext wird, soll's bitte auch so bleiben. ich will die letzte woche zurück.
als ich klein war, hab ich oft "die kleine hexe" gelesen. und konnte mich nicht entscheiden, ob ich so werden will wie sie, oder wie die kleine meerjungfrau von hans christian andersen. später hatte ich angst so zu enden wie "die sphinx ohne geheimnis" (wilde), aber die befürchtung hat sich nicht bestätigt. und heute? heute warte ich sehnsüchtig auf den tag, an dem ich mich in meeres-schaum verwandel ...

erstellt am 05-05-2004 um 23:35
tag hundertsechsundzwanzig
ich kann mich nicht recht entscheidenen, soll ich heute der übelkeit im besonderen zusammenhang mit migräne den vorzug geben oder dem gedanken an eine vermurksten woche und dem unverständnis, wie unendlich schief alles gehen kann? ...
ein bißchen über übelkeit. ein teil des dieswöchigen murks. ich muß immer ein bißchen lächeln, wenn leute über kopfschmerzen klagen und vielleicht sogar behaupten, sie hätten migräne, während sie mit klaren augen mir gegenüber sitzen. denn, das geht nicht.
migräne: es beginnt in den frühen morgenstunden. du öffnest deine augen, geblendet von der helligkeit (selbst bei wolkenverhangenem himmel) und ein heller klarer schmerz durchfährt alle nervenenden in deinem kopf. du bewegst den kopf vorsichtig und der schmerz explodiert in deinem kopf. du liegst still da und wartest eine weile. dann tastest du dich in die küche, um dein migräne-frühstück zu dir zu nehmen: zwei bissen brot für den magen und drei aspirin mit viel wasser für dich.
an guten tagen hast du zeit, die tabletten wirken zu lassen während du im bett noch ein paar stunden vor dich hin duselst. an schlechten tagen versucht du alles wichtige so schnell wie möglich hinter dich zu bringen um zurück ins bett zu kommen.
die übelkeit.
sie begleitet dich den ganzen tag - bis auf die zeit, in der du ißt. und das ist das faszinierende: während du ißt (in der regel ist die gier auf kohlenhydratisches und fettes essen unglaublich groß) stabilisert sich dein kreislauf, die helligkeit wird erträglich, der lärm fällt auf zimmerlautstärke zurück, die kopfschmerzen machen pause, du genießt dein essen. bis zum letzten bissen -
dann
eins - zwei - drei sekunden und es macht BOOM!
auf einen schlag explodiert dein kopf auf's neue, die stille wird unerträglich laut, die helligkeit treibt tränen in deine augen und dir wird so übel wie noch nie zu vor.
dann gibt es nur noch eins: kotzen oder schlafen.
nichts anderes. beinahe muß ich lächeln, ich weiß nicht warum. früher hatte ich diese anfälle beinahe jede woche. jetzt nur noch ein/zweimal im jahr. doch diese übelkeit, die ist im moment ein dauergast. und ich würde wirklich gerne kotzen, alles von mir geben. aber dazu brauch ich auch die kopfschmerzen, sonst geht's nicht (schlechte bulemie-voraussetzung *lächel*), aber die kopfschmerzen spar ich mir lieber ... was für ein füllhorn für psycho-auslegungen ...

und dann die vermurkste woche. nichts, rein garnichts hat diese woche funktioniert. konzertkarten ausverkauft, verabredungen geplatzt, wetter katastrophal, arbeit nicht beendet, keine zeit für ein paar wichtige dinge, kein stern am himmel, kein schlaf, nicht zu vergessen dieses abstruse, dramatische spielchen am montag, das mich komplett aus der bahn geworfen hat ... eigentlich kein wunder, daß mir so unendlich übel ist.

erstellt am 09-05-2004 um 18:48
tag hunderdreißig
da ist ein thema, das mich schon die ganze woche begleitet ... ein - nennen wir es mal "schwieriges" thema. es sind gedanken zum tod. uh.
es fing am montag an, als jemand das gerücht in die welt setzte, ein guter freund von mir sei gestorben. er erfreut sich bester (naja, relativ) gesundheit. und dann kamen ein paar andere sachen dazu. seltsam immer, diese zeitgleichheit. als sollte man sich gedanken machen, komprimiert. ich mußte über diese zeit nachdenken vor etwa vier jahren.
genauer gesagt es war während des jahrtausendwechsels (alles ist bei mir immer ein bißchen dramatischer, unfreiwillig). abgesehen von einer sehr unangenehmen zeit, in der ich mein komplettes leben in frage stellen mußte, kam auch noch eine meiner alten krankheiten dazu: schwere bronchitis. fünf tage nur husten, kein schlaf, schwäche, zu schwach um zu essen oder zu trinken, zu schwach zu husten. mein arzt gab mir einen weiteren tag und er hätte mich ins krankenhaus eingewiesen. (nie wäre ich da reingegangen. zwei enge freundinnen von mir sind in einer ähnlichen situation ins krankenhaus gekommen, aber nicht mehr raus. ich seh noch meine eine freundin an den schläuchen - es tat mir in der seele weh.) abgesehen wußte ich, daß es nicht unbedingt einen nächsten tag geben würde.
aber da war dieses flügelschlagen eines schmetterlings in china, der die münze, die über leben oder tod entscheiden sollte, auf die richtige seite pustete. so kam es mir jedenfalls vor.
ich weiß nur, daß ich nur zufällig noch hier bin. denn zur gleichen zeit hatte ich angefangen, meine dinge zu regeln. und es gab diese liste. die eine seite war übervoll. auf der anderen seite stand nur ein wort: familie. ihr zuliebe habe ich die kraft gesammelt aus diesem unendlich tiefen loch wieder herauszukriechen. aber nicht zu vergessen das schicksal. es sind seitdem dinge passiert, die ich nicht erwartet hätte. vieles hat sich so sehr zum guten gewendet. jetzt fühle ich mich als "liebling der götter". viele der alten verhaltensmuster konnte ich löschen und weniger selbstzerstörerische einbrennen. ich hab so viel gelernt. über mich, über andere, ich sehe zusammenhänge, ich sehe ...
aber ich habe diese zeit nicht vergessen. deshalb bin ich auch immer sehr wütend, wenn ich leute höre, die so selbstgefällig und erhaben über diese "lächerlichen" gedanken reden. sie haben einfach keine ahnung. oder: sie haben angst.
aber mal abgesehen von meinen eigenen erfahrungen mit "mr.death". ich weiß eigentlich gar nicht, warum so viele leute den tod nicht akzeptieren können als zum leben dazugehörend. ich muß ihn ja nicht gleich herbeisehnen. aber diese angst davor ist unbegründet.
so mit 17 war ich in einem sogenannten "todesfilm", das war eine reihe mit sehr seltsamen trash-filmen, und ich suchte mir ausgerechnet den einzigen dokumentarfilm aus. es ging um todesriten (oh, wie dramatisch). aber tatsächlich hat dieser film mir sehr viel beigebracht. man sah unterschiedliche beerdigungsriten in verschiedenen kulturen, man sah, wie leichen dafür "hergerichtet" wurden. was ich sah, war eine natürliche selbstverständlichkeit, kein mystifizieren, nichts erschreckendes, schreckliches.
und es beruhigte mich so sehr, daß diese toten körper sich auflösten, im feuer, in der erde - und mir wurde schlagartig klar, daß es nur eine wandlung ist. nichts geht verloren. seitdem hab ich meine angst verloren.
was mich aber erschreckt ist diese übermäßige emotionalität der menschen. ich war zum ersten mal vor etwa 2 jahren auf einer beerdigung (davor hat es sich nicht ergeben). und kurz danach nochmal. für mich sind emotionen anderer manchmal körperlich spürbar. bei konzerten, sportveranstaltungen, aber auch bei fremden die mir gegenübersitzen. ich kann nicht wirklich sagen, warum sie empfinden, aber ich spüre wie. auf diesen beerdigungen waren die emotionen für mich nur sehr schwer zu ertragen. die, die beerdigt wurden, standen mir nicht so nahe, daß ich selber so stark empfunden hätte. aber ich spürte die ängste und die trauer der anderen. zu stark für mich.
wie auch immer, ich fürchte den tod nicht, aber ich sehne ihn auch nicht mehr herbei. kommt er in zwei tagen ist es ok, kommt er in 20 jahren ist es auch ok. ich möchte nur nicht unbedingt aus krankheitsgründen den löffel abgeben, aber das hat einen persönlichen hintergrund.
im idealfall werde ich in singapur von einem bus überfahren, so stelle ich mir einen würdigen abgang vor.
jaja, ich weiß, ich bin einen touch nekrophil ...
(ich sollte es jetzt wahrscheinlich nicht einfach so dranhängen, aber als ich das erste mal in der körperweltenausstellung war, hab ich tatsächlich mit dem gedanken gespielt, mich zur verfügung zu stellen. der gedanke, daß mein "kleines" tattoo zu staub zerfällt, gefiel mir nicht. als ich aber das zweite mal in den körperwelten war, irritierten mich diese kinder, die direkt unter einem körper standen und mitten rein starrten, grade, daß sie nicht rumgefingert haben. ja, und dann hab ich mich doch dagegen entschieden. friede meinem tattoo ...)

erstellt am 13-05-2004 um 01:15
tag hundertdreiunddreißig
"ein stückchen ewigkeit"
was für ein tag. ich zähle es zu den guten omen, heute haben mich wieder 3 penner gegrüßt. ich weiß nicht, warum sie es machen, sie tun es auch nicht immer. aber an manchen tagen grüßen sie mich einfach ...
und dann die sache mit der kette. ich hab einen großen aquamarin an einer silbernen kette. ich mag steine lieber auf der haut, also hatte ich heute etwas tiefer ausgeschnittenes an. eigentlich unverfänglich. aber ich fürchte, mein kleiner fisch schaute aus dem top hervor, direkt auf den aquamarin ... und da es heute doch eher kalt und windig war, war es wohl "unverfroren" - oder warum haben alle leute darauf gestarrt? keiner konnte mit mir ein vernünftiges gespräch führen ... hehe.
aber das wesentliche: es war einer dieser wundervollen tagen mit meinem alter ego. ich bin mit so vielen unterschiedlichen menschen zusammen, aber keiner bedeutet mir so viel, keiner macht aus den tagen so etwas besonderes. wir kennen uns jetzt seit - oh gott - 26 jahren. (die zwölf jahre, die wir uns zwischendrin nicht gesehen haben zählen nicht, die haben wir längst aufgeholt.) sie kann mir zwar nicht die ruhe geben, die ich so dringend suche, im gegenteil. die zeit mit ihr ist immer wundervoll chaotisch. doppelt tolpatschig, doppelt albern, doppelt tiefsinnig, gleichdenkend, gleichfühlend. unterschiedliche leben und doch die gleichen erfahrungen. ein blick ins spiegelbild meiner seele. keine teenager-beste-freundin, weit mehr, weit enger, weit fataler. sie und ich letztendlich im falschen körper um eine perfekte einheit zu ergeben. aber ganz nah daran. und tatsächlich jemand, dessen ich mir sicher bin. einmal nicht diese unsicherheit. sie ist einfach da. war immer da. wird immer da sein.
und diese tage sind ein stück dieser ewigkeit. ich seh uns schon in 50 jahren immer noch im kino in der rentner-vorstellung sitzen, seltsame filme sehen, hinterher apricot-farbenes hochprozentiges kichernd kippen und dann von der polizei zurück ins altersheim gebracht werden ...

erstellt am 13-05-2004 um 11:26
nachtrag zum letzten tag
die letzten tage waren schon wieder im schatten dieser dunklen, traurigkeitgeschwängerten wolke, es ist wohl wieder an der zeit für diese schon langweilenden depri-phasen - sie kommen in regelmäßigen abstand, gähn. aber diesmal hat sie der tag gestern für ein paar weitere tage hinter den horizont katapultiert. fast wie ein kleiner sieg. trotzdem ist es nur eine frage der zeit. seit drei wochen kann ich schon nicht mehr richtig schlafen, eins der vorzeichen. egal, ob ich früh oder spät ins bett geh, ob ich mir die birne zukippe, lese, schäfchen zähle - ich schlaf einfach nicht. gut, ich weiß jetzt, daß zu dieser jahreszeit bei schönem wetter die morgendämmerung um 4.49 uhr beginnt, im gegensatz zum schlechten wetter, da beginnt sie um 5.13 uhr. aber wollte ich das wirklich wissen?

erstellt am 16-05-2004 um 02:04
tag irgendeinezahl
blablabla über meinen persönlichen dämonen
für einen morbiden und degenerierten körper benötigt man eine menge willenskraft, aber manchmal reicht das nicht aus im alltag und dann kommt die stunde, da öffnet sich diese eigene "pandora büchse", heraus springt der persönliche dämon und hält einem den spiegel vor. und was man sieht, ist das eigentliche selbst. und die wahrheit. und die ist nicht hübsch. (es klingt schon wieder dramatisch. doch: die recht hilflose unterstützung, die ich heute (wieder) bekommen hab, legitimiert diese scheinbar übertriebene beschreibung. oh fuck.) ich kämpfe schon solang ich denken kann mit diesem dämon. ich mag seine wahrheit nicht. freak. forever freak. ich will eine andere. alles, was ich zustande bringe ist blendung. ich hör sein zufriedenes, hämisches lachen. er hat wieder gewonnen.
es gibt keinen grund, hier zu sein.
was bleibt zu tun?
büchse mit viel willenskraft wieder zu.
maske wieder auf, weiterblenden.
mich. die anderen. alles ist bestens.



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