neptunia die blubbernixe

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meine texte aus einem projekt in den nachtwelten ...
ich war damals das element wasser
hier aufgefangen, aber schon längst mit spinnweben überzogen.
texte aus einer anderen zeit - in einem anderen jahr
und einem anderen universum ...


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wasser

gevatter tod ...

sein gesicht.

wann bin ich ihm das erste mal begegnet? ...

da war dieses erlebnis, als ich ein kleines kind war.
vielleicht zwei jahre alt.

an meinem kopfende vom kinderbett ein höllentor. lärm. gleißendes licht. seltsame strahlen. lärm. eine macht, die mich in dieses tor hinein ziehen wollte. kälte. etwas, was mir die energie aus den füßen zog. kälte. lärm. ein mann neben meinem bett. der versuchte, mich zu beruhigen. "alles wird gut." "sei ganz ruhig." "ich bin da."
er ist immer noch da.

damals hatte ich noch angst.



und dann.
das nächste mal war ich etwa sieben. es waren sommerferien. ich hatte damals eine freundin, lieb, ruhig. zerbrechlich. ich mochte sie sehr. aber dann dieser anruf: simone ist letzte woche gestorben.
und ich hatte immer gewußt, daß sie sterben würde.
ich kann es menschen ansehen.

viele jahre später. wieder eine freundin. lieb. ruhig. zerbrechlich. wir hatten nicht sehr viel gemeinsam ... trotzdem war es eine liebe gewohnheit, sich mit ihr zu treffen. aber mit der zeit wurde es beunruhigend. ich sah ihr an, wie sie zerfällt. vor meinen augen verschwand sie. ihr freundliches antlitz veränderte sich von jahr zu jahr. ganz allmählich wurde ein totenkopf daraus. die wangen fielen ein. die augen sanken in die augenhöhlen. die haut straffte sich über die wangenknochen. ihr atem wurde immer angestrengter. ihre stimme leiser.
einmal habe ich ihr das leben gerettet. durch meine bloße anwesenheit.
während ihrer letzten zwei jahre haben wir uns nicht mehr gesehen. ein missverständnis ließ sie blockieren, sie wollte mich nicht mehr sehen. ich erfuhr eher zufällig von ihrem tod. ich konnte mich nicht mehr wirklich verabschieden. sie bleibt aber in meinem herzen ...
trotzdem hat sie auch etwas ihrer angst in mir zurück gelassen. ich spürte, daß sie weiß, daß ich ihren tod sehe ... verzwickt. und doch haben wir nie darüber gesprochen ...

mein onkel. der traurigste mensch, denn ich kannte. der zwillingsbruder meines vaters. ich spüre auch seine traurigkeit in mir. den genen sei dank. er starb mit siebenundvierzig. (mein vater mit siebenundzwanzig.) ich mag die zahl sieben. ich habe seine grauen haare.

die letzten jahre.
in meiner näheren umgebung sind zwei menschen an krebs gestorben. auch ihnen hab ich angesehen, daß sie sterben werden, daß sie den kampf nicht gewinnen werden. als sie starben kam es mir wie ein sieg vor, ihr sieg, denn sie konnten ihre qualen beenden.
schlimmer waren die beerdigungen.
es waren die ersten, auf die ich gegangen bin. davor hatte ich immer gute gründe, mich davor zu drücken. aber diesmal wollte ich. ich will nicht mehr. werde auf keine mehr gehen.
nein, nicht weil mich trauer überwältigen würde. nicht, weil ich mich nicht verabschieden will. das kann ich auch zu einem anderen zeitpunkt.
ich kann die angst der menschen nicht ertragen.
ich hab noch nie soviel angst und verwirrung gespürt, wie auf diesen beerdigungen. ich kann emotionen von anderen mit meinen sinnen spüren, sie bereiten mir richtige schmerzen. und soviel angst ist unglaublich. so seltsame schmerzen hatte ich noch nie.
die menschen haben angst, alleine zurück zu bleiben.



und ich?
nein, angst habe ich keine mehr vor dem sterben, vor dem tod.
mir kommt es eher vor, wie "nach hause kommen". aber ich muß zugeben, daß ich ein unruhiger geist bin. wenn ich noch einige zeit auf reisen bleiben kann, ist es in ordnung. es gibt noch zwei dinge, die ich erledigen will. eins davon ist in greifbarer nähe, denke ich. das andere wird ein kind des zufalls.
wie ich sterben möchte?
im besten fall von einem bus in singapur überfahren werden ...



körperwelten.
der tod hat noch ein anderes gesicht.
manche menschen machen geschäfte mit ihm.
was halte ich von herrn gunther von hagen? er ist ein freak. defiitiv.
trotzdem habe ich mit großer neugier seine körper angesehen. zweimal. mich haben anatomische präparate schon immer fasziniert. das erstemal, als ich davon in einem buch über michelangelo las, der nachts wohl leichen seziert hat um hinter das geheimnis des menschlichen körpers zu kommen. und während der zeit, als ich anfing zu zeichnen, waren es käfer und schmetterlinge. aufgespießt. und dann der dachs-schädel, den ich mir in einem tier-präparate-laden bei der uni kaufte ... meinen dachs-schädel gibt es natürlich immer noch, aber ich hab ihn vor licht und luft geschützt. ich mag ihn sehr, anfangs habe ich sogar mit ihm "gesprochen". aber das tu ich auch mit meinem toaster ...
zurück zu den körperwelten.
grundsätzlich finde ich sie spannend. albern aber, was der herr hagen mit den armen körpern macht. setzt sie auf räder, läßt sie basketball spielen ... ich weiß nicht, das ist dann doch wieder zuviel.
beinahe hätte ich mit dem gedanken gespielt, meinen körper selber zu spenden. wäre interessant gewesen, meine knochen sind ... ungewöhnlich. und am liebsten wär es mir gewesen, zu wissen, mein tattoo - klein und unschuldig wie es ist - wird mal zu sehen sein ... aber mir bleibt immer noch die möglichkeit wie in dieser roald dahl geschichte ... haut abziehn und aufspannen ...
oh. ich meine es übrigens ernst.
aber was mich letzendlich dann doch von dem gedanken meinen körper zu spenden abhielt, waren ein paar kinder, die anfingen in einer frau (der schwimmerin) herum zu stochern ...



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wasser

mein liebes feuer, bereite dich vor auf die dinge, die ich zu dir führe ...

nekrophil.
"verfall liebend"
dinge, die dabei sind zu vergehen, haben eine eigenartige schönheit.
"vom tod angezogen"
ich kann meinen blick nicht abwenden, wenn dinge dem tod geweiht scheinen. ich ziehe sie direkt an. nicht der zeitpunkt des sterbens an sich, davor habe ich genügend respekt. ich meine die zeit davor, wenn der letzte weg beginnt.
blumen. knospen reizen mich nicht besonders. ich mag rosen dann am meisten, wenn sie voll erblüht sind und schon langsam diesen schweren, schicksalsträchtigen geruch verströmen ...
vergänglichkeit.
vergehen.
dahin schwinden.
weg.

abschied - so heiß wie feuer.
abschied - dem wind mitgeben.

die, die zurückbleiben - mit ihnen bleibt die frage ...


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wasser

gevatter tod und die angst.


was macht den unterschied zwischen dem menschen und dem toten?
wann ist der zeitpunkt, an dem die seele den körper verläßt?
warum macht es uns angst?

man erzählt sich soviel von denen, die vom sterben zurück kehrten ...
sie selber erzählen von so unterschiedlichen dingen.
vom lebens-film, der kurz davor vor den augen abläuft.
vom licht.
vom tunnel.
vom sich-wohl-fühlen ...

an welchem seidenen faden hängt unsere seele?



und wieder ein blick zurück.
der zombie-film als ich dreizehn war. beim jungen im nachbarhaus. der film, der mir angst machte. unangenehme angst. der mir den eindruck vermittelte, wir würden in unseren körpern hängen bleiben. mit ihnen eingebuddelt. mit ihnen verwesend. und irgendein ereignis könne uns zurückbringen, den körper wieder verwendend, auf der suche nach irgendwas ...
gut. diese zombie-schauspieler waren nicht wirklich überzeugend. und doch, ich konnte es mir zu gut vorstellen. ich hatte angst, durch die tiefgarage nach hause zu gehen. es war ein kellerlabyrinth mit elektrischen türen, die plötzlich vor einem aufgingen. hinter jeder tür vermutete ich einen zombie. einen im aufzug. einen hinter meiner wohnungstür, einen ums eck ...
es dauerte ein paar monate, bis ich dieses gefühl wieder verlor.

ein paar jahre später.
in meiner sturm-und-drang-zeit. noch immer unfähig, gruselfilme anzusehen. und darum der entschluß, die "todesfilme" im mini-kino eines hinterhof-kellers anzusehen. ich wählte ganz wahllos den film "todesriten". er stand gleich zwischen dem "reiter ohne kopf" und "die grausamen henker vom ling shing ping" oder so ...
aber was ich sah, war kein schlechter gruselfilm. kein film, der effekte haschte, der verwirren wollte ... was ich sah, war eine dokumentation über beerdigungs-riten. ich sah, wie eine aufgebahrte leiche in indien verbrannte. ich sah, wie eine leiche in einem westlichen beerdigungs-institut hergerichtet wurde. ich sah, wie ein sarg in den boden verschwand. ich sah, wie ein sarg in wenigen sekunden im krematorium verbrannte. ich sah, wie eine leiche langsam in afrika verweste ...
ich sah den tod so, wie er ist.
ich sah die wandlung.
und ich verstand, daß das der weg der dinge ist.
undramatisch.
unabänderlich.
ich schloß meinen frieden mit dem tod. jetzt konnte ich mich auf ihn vorbereiten.


mary burmeister sagt: angst ist die annahme von falschen informationen.


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wasser

gevatter tod's reise zum tiefsten punkt der zwei abschiede ...



im buddhismus, heißt es, findet man in der meditation einen punkt, an dem man sich mit dem universum verbindet. freudiger einklang mit allem.

der gegenpol dazu liegt in einem selber.
der tiefste punkt der seele.

dieser punkt ist der punkt der absoluten einsamkeit.

klirrende stille schreit.
die außenwände sind aus transparenter wabbelmasse ... die äußere welt ist in einem zerrspiegel ... die signale kommen unklar und missverständlich an, wie in einem delphinarium ...
man ruht an diesem punkt. verharrt, harrt der dinge die da kommen.

wie kommt man an diesen punkt?
durch schichten aus verzweiflung. angst. versagen. durch brennende wogen aus unerfüllter sehnsucht. durch einsamkeit. durch verlust der sinne. auf der suche nach dem ruhepunkt.

eingehüllt in kälte wartet man auf die erfüllung des schicksals. es erscheint mit einer münze in der hand. auf jeder seite wartet ein abschied. das schicksal wirft die münze. der flug der münze dauert - einige sekunden, ein paar stunden, wenige tage.

dann zeigt die münze den abschied.
eine seite birgt den abschied von allem.
die andere seite birgt den abschied auf zeit mit dem weg zurück zur oberfläche, durch alle schichten der verzweiflung.

eine unlösbare stochastische frage:
wenn man zweimal die seite mit dem weg zur oberfläche geworfen hat, wie groß ist die wahrscheinlichkeit für das dritte mal?


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wasser

luft ... Kälte ist die Eigenschaft des Äthers ...
feuer ... bevor sie sich aufs Wasser senken. In Ruhe und Klarheit gelöscht.
erde ... Ich möchte mich für rein gar nichts entschuldigen oder rechtfertigen ...
"Mein Leben scheint mir nicht mehr zu gehören ..." Nnordy

wasser ... kühle und unfassbarkeit die eigenschaft des haltlosen ...




kommunikations-unfähig

heute ist einer dieser tage.
die letzte zeit haben sich die geschichten der anderen angehäuft. jeder will seine geschichte loswerden, und jeder weiß, daß sie bei mir gut aufgehoben ist. eine geschichte über den exfreund, der beim fliegen in den see fällt und dann ins koma. die geschichte vom ärger mit dem rest der welt. die geschichte von vergangenem und den verlorenen träumen. die geschichte vom gespräch mit der ministerin. die geschichte vom arzt und der schilddrüse. die geschichte vom buch, das bald fertig ist. die geschichte vom toten hund. die geschichte vom urlaub, der ins wasser fallen wird. die lügengeschichte, die ich morgen hören werde. die geschichte von den undankbaren freunden. die geschichte von der unerfüllten liebe. und morgen andere neue geschichten ...

ich bin gerne auffangbehälter für diese geschichten. ich bewahre sie, ohne sie zu bewerten. gebe meinen kommentar, wenn es sich ergibt. aber in erster linie bin ich abladeplatz.

abladeplatz.
aber mal wieder überfüllt.
ich merke, wie ich langsam die aufmerksamkeit verliere, die ich geben möchte. mir schwirrt der kopf vor geschichten. es sind zu viele.
ich merke, wie mein gesicht erstarrt. mein inneres sich verhärtet. nach außen reagiere ich noch. aber meine gedanken wandern an einen anderen ort ...

heute ist einer dieser tage, an dem ich gerne in timbuktu wäre ... an einem ort, an dem ich die menschen nicht verstehe ... eine sprache, die sich nicht als geschichten in meinen kopf einschleicht ...

und ich würde gerne einfach nur dem regen lauschen, und jedem tropfen ein wort mitgeben ... und mich selber wieder entleeren, frei machen ... aber ich fürchte, der regen hat gewerkschaftlich vereinbart, keine menschlichen exkremente aufzunehmen ... also bleib ich auf meinen geschichten sitzen ... und dabei sind es garnicht meine ... kuckucksgeschichten ...



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wasser

ZERO : LOVE

es war einmal ein mädchen. sie traf ihren traumprinzen. sie liebten einander. sie verloren sich. es kamen andere prinzen. auch sie liebten das mädchen. und verloren das mädchen.

sollbruchstelle.
dann geschah der bruch. das tote herz wurde entfernt und ein künstliches eingesetzt. mit diesem künstlichen herzen lebte das mädchen weiter. das künstliche herz wurde von einem pingpong-programm gesteuert. tele-tennis-spiel für einen spieler gegen das perfekte programm.

zero : love
nichts, was berühren konnte, wurde vom neuen herzen zugelassen.
PING - ein kompliment - PONG - abgewehrt - zurück ins aus.
PING - ein tiefer blick - PONG - abgewehrt - zurück ins aus.
PING - eine geschickt gespielte zufällige berührung - PONG - abgewehrt - zurück ins aus.
zero : love - unbezwingbar. unbesiegbar. kein treffer. kalt. tot.

zero : love. doch die biologischen funktionen im trainingslager beim regelmäßigen check. dreißig stellungen des kamasutra mit wechselnden partern erfolgreich abgehakt. zweimal jährlich auf der liste gleich unter dem zahnarztbesuch.

und doch. da ist auch noch dieses alte märchen aus fernen zeiten vom gemeinsamen erwachen ... kein level im tele-tennis-spiel.
zero : love
schöne neue welt.

... "und als die kleine meerjungfrau sah, daß sie das herz ihres prinzen nicht gewinnen konnte, und als die zeit, die ihr die meereshexe dafür gegeben hatte, vorüber war, verwandelte sie sich in meeres-schaum ..."



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wasser

Und sooft du ihr schreibst, überprüfe die Täfelchen vorher
Gründlich; denn mehr als du schriebst, lesen sich viele heraus.
ovid, liebeskunst
(das buch spontan an einer beliebigen stelle aufgeschlagen ... das liebesorakel?)


geständnis nummer eins.
dinge, die im kopf stattfinden und spaß machen ...



als eher visueller, haptischer mensch läßt man sich trotzdem manchmal auf abenteuer der anderen art ein ... und in gewisser weise stand es auch auf der liste der dinge, die man noch ausprobieren muß ...
ein auszug aus einem wirklich netten geplänkel, lang vorbei, aber doch eine erinnerung wert ... die entgegnungen von neptunia lassen sich denken ...



"Natürlich kannst Du dich gern bei mir verstecken, ich habe da immer ein nettes Plätzchen mit Planschbecken für eine Süsswassernixe. Was für Tee magst Du denn, ich bevorzuge einen kräftigen Assam.
...
ob ich böse absichten habe? das kommt darauf an was du böse nennst. vielleicht hätte ich das mit dem interruptus für mich behalten sollen? nixenkuscheln ist jedenfalls meine lieblingsbeschäftigung gleich nach dem teetrinken...
...
xxx und Wassermann passt ja perfekt. Stürmisch ja, aber unter einer ruhigen Oberfläche, doch wenn die Naturgewalten erst einmal...na Du weißt schon. Soll ich dich jetzt mal ein bißchen mit dem Belüfter im Aquarium kitzeln? Also Neptunia ich schwör Dir ich haue keine Frauen in Pfanne und Meerjungfrauen niiiiieemals. Natürlich dreh ich Dir eine...äh einen trockenen Wein bitte. Am Tage weiß bei Nacht dann rot, ok? Hängt auch stark von der Witterung ab. Im Sommer fast nur weiß im Winter beides. Aber ich komm auch wochenlang mit Tee aus...
also was ist nun...darf ich dich mit den Luftbläschen kitzeln?
...
ich werde mich in einen Fischschwarm verwandeln und dich umringen, wunder dich nicht wenn dich dann überall kleine Fische stupsen, wenn Du Dich dann vor Lachen nicht mehr wehren kannst, werde ich wieder zum xxx und lass tausend kleine Luftbläschen Dir die Flossen streicheln...
Der Wein ist gut, Frankreich?
...
italienischer Rotwein? Hm benebeln willst Du mich eine Uralten xxx dem schon ganze Weinernten geopfert wurden *g*
...
also wir waren bei den Luftbläschen und du treibst wehrlos im Aquaium, während ich den Sauerstoffspender aufdrehe und die Luftblasen immer größer werden bis es sprudelt und ich dich sanft in die Arme nehme um dich langsam über den Blasen hin und her bewege, während ich mit den Fingern mit zärtlich kreisenden Bewegungen Deinen Nacken massiere ... die weitere Entwicklung hängt jetzt stark von Dir ab, denn ich seh Dir dabei tief in die Augen und komme Deinen halb geöffneten Lippen immer näher...
Ich freu mich schon auf Deine Rache...
..."


wie es ausging? geschichten dieser art nehmen leider immer eine sehr reale wendung ... pong. aber eine nette erinnerung ...



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wasser

Ganz nahe bei der Geliebten sollst ungehindert du sitzen,
Ständig, so fest du nur kannst, drück deine Seite an sie.
ovid, liebeskunst


geständnis nummer zwei.
das allererste mal



es war ein abend in gesellschaft. schräg gegenüber auf der anderen seite des tisches saß die freundin, auf dem schoß eine katze, die sie streichelte. dem mädchen war langweilig. sie sagte, ach würde mich auch jemand so streicheln ...
da erhob sich ein dunkler schatten von der seite der freundin, und eine warme, dunkle stimme sprach, soll ich herüber kommen? das sind die momente, in denen man sich schnell entscheiden muß. ja? nein? warum eigentlich? das ja siegte mit der neugier. und der junge kam herüber und nahm das mädchen in den arm.
und so saßen sie den restlichen abend, wortlos, das mädchen umschlungen vom jungen. ihre hände fanden sich. ihre augen fanden sich. ihre münder fanden sich. sie waren die letzten, die den raum verließen ...
am nächsten tag bemerkte das mädchen, daß sie nicht mal seinen namen wußte ...

machen wir einen sprung von ein paar wochen. in diesen wochen trafen sich das mädchen und der junge nur ein einziges mal. und sie verabredeten sich für ein wochenende ...

der erste abend verlief wieder in gesellschaft. traute zweisamkeit, noch nicht alleine. dann trug der junge das mädchen die treppen hoch ...

dem werten leser scheint dies ein nicht nennenswerter moment zu sein. aber gerade das selbstverständliche war das außergewöhnliche. einfach so. ohne worte.

in seinem zimmer waren noch einige der anderen. und so verbrachten sie noch einige zeit nur eng umschlungen. er knabberte an ihrem nacken ...
dann waren sie allein. er wußte, ohne es ausgesprochen zu haben, daß es dieses magische erste mal sein mußte ... seine hände übernahmen die arbeit. seine hände waren überall. unter der kleidung. strichen sanft über die brust. entfernten die überflüssige kleidung. strichen sanft die beine entlang. bereiteten sanft den weg in die tiefe. tiefes atmen und ...

lassen wir die beiden nun alleine. die geschichte läßt sich schnell zu ende erzählen. das war das letzte gemeinsame wochenende. die beiden trafen sich etwa ein jahr später noch einmal. das mädchen lernte den jungen nun besser kennen, in jeder hinsicht perfekt. klug. charmant. und verlobt. und trotzdem, für dieses allererste perfekte mal war sie ihm dankbar ...

ich danke dir für diese erinnerung, wo immer du jetzt sein magst.



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wasser

wassers (unaktueller abschieds)brief an die anderen elemente.

liebe luft-gefährten, liebes feuer,

all eure berichte über eure verluste bestätigen meine schlimmsten befürchtungen.
die, die zurückbleiben, sind erfüllt von schmerz, trauer, angst ... tiefe narben, die bleiben.

ich bin eine von der anderen seite. ich bin die, die diese narben verursacht, verursachen wird. mein leises sterben findet seit ewig langer zeit statt. und die zeit wird absehbar. und ich weiß noch nicht, wie ich die meinen trösten soll ...

ich hab so viele meines gleichen gehen sehn. aber meine gefühle waren anders. ich wußte, was in ihnen vor sich geht. dieses pingpongspiel zwischen kämpfen und zu müde sein. zwischen vor-ernergie-bersten und körperlichem versagen. und diese momente, in denen man dem tod näher ist als dem leben. sie gehen zu sehn, sie gehen zu lassen, war der einzig logische schluß.

ich wünschte, ich könnte euch trösten, könnte sagen, das ist alles nicht so schlimm. es ist alles nicht so schlimm. es ist nur seltsam. die dinge haben eine andere bedeutung, wenn einem der tod im nacken sitzt. geld, macht, erfolg. das ist alles pipifax. jeder moment ist kostbar. carpe diem. und carpe noctem. carpe, carpe!

ich habe keine angst vor dem tod. schließlich flirte ich mit ihm so lange ich denken kann. bin damit einverstanden, daß er mich bald holen wird. es ist absehbar. aber ich habe angst, die meinen mit ihrer trauer zurück zu lassen. habe für zu vielen menschen an bedeutung gewonnen. lieber würde ich undramatisch verschwinden.

aber noch sind es zwei dinge, die zu tun bleiben. und dann. dann möchte ich eine wilde feier an meinem sarg. der ins feuer verschwindet. und ich möchte, daß meine liebsten mich noch ein letztes mal nach new york bringen. und mich mit einem hubschrauber über den hutson river verstreuen. ich hab noch diese verabredung mit miss liberty.

und mein größter wunsch wäre es, losgelassen zu werden, wenn es zeit ist, zu gehen ...



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wasser

kurzer verlust des roten fadens

ein oktobermärchen
das märchen von der männlichen kräuterhexe



das mädchen fand sich wieder beim heilpraktiker.
dem prinzen mit adligem blut. der, der sie retten konnte?

der raum, den er benutzt, ist eigenartig. lichtdurchflutet. voller regale, die überquellen mit büchern, schachteln und krimskrams. in der mitte ein dem fenster zugeneigter, riesiger schreibtisch. über und über mit büchern und zettelchen bedeckt. ein kleiner brunnen in der ecke, wasser, das leise über einen riesigen rosenquarz plätschert ...

hinter dem schreibtisch ein großer, freundlicher mann. aufrecht sitzend. gehüllt in einen arztkittel.

er hört dem mädchen zu. füllt seite um seite mit notizen, blickt erwartungsvoll, denkt. denkt! fragt. fragt! vergleicht die notizen des vergangenen besuchs mit den neuen notizen. fragt erneut. fragt nach der inneren unruhe, dem schlaf. das mädchen berichtet vom inneren raubtier, das eben diesen schlaf verhindert. die sehnsucht nach ruhe. verliert die fassung, zuviel erschöpfung ...
er reicht ihr ein tissue.
fürsorglich, väterlich.

er tastet ihre glieder ab. ernsthaft, beinahe zärtlich. nickt.
tastet nach ihren mandeln, lymphknoten, nickt.

er kramt in seinen ampullen. gibt ihr einige in die hand. nimmt seine wünschelrute. zu seiner zufriedenheit schlägt sie aus.

er nimmt eine spritze. knackt die ampullen mit bloßer hand. zieht die flüssigkeit in die spritze. zapft vorsichtig ein wenig blut ab. schwenkt beinahe zärtlich die gefüllte spritze in anmutigen bewegungen hin und her. erklärt weiter, was "wir" machen, wohin "wir" das eigenblut spritzen. sticht vorsichtig die spritze in die nackengegend.

er beantwortet mit seiner leisen, freundlichen stimme alle fragen. erklärt den weiteren plan. kritisiert die schulmedizin, die unvorsichtig mit den heilkräutern um sich wirft. bespricht den neuen termin.

dann verabschiedet er freundlich das mädchen.
reicht ihr die hand.
umhüllt sie mit zuversicht.
aufrecht.
vertrauensvoll.
bereit, sie zu retten.
ein leises wiehern hinter seinem haus?



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wasser

gebrochene wasseroberflächen
hautoberfläche

unversehrtheit?
nein.




"christiane f."
die spritzennadel, die immer wieder die hautoberfläche durchstößt. tausendfach. was abschreckend gemeint war, prägt das ideal.

"i never promised you a rose garden"
der innere vulkan, der nur mit einer glühenden zigarette gelöscht werden kann. immer und immer wieder bis die haut sich auflöst. was abschreckend gemeint war, beruhigt.

reality tv
gesichtshaut, die zurück geklappt wird. nägel und ersatzteile, die mit festen schlägen tief ins gewebe getrieben werden. silikon-pölsterchen, die in den busen gestopft werden. was informativ gemeint war, wirkt abschreckend. erschreckende verletzbarkeit.

hören und riechen
das geräusch, das ein skalpell macht beim aufschneiden der hautoberfläche, gleicht dem aufschlitzen einer gespannten plastikoberfläche. scheinbarer widerstand wird gebrochen.
dann das blut, das plötzlich spritzt, warm auf die unversehrte hautoberfläche tropft. süßlicher geruch. ein gerät verödet die verletzten gefäße. der raum füllt sich mit appetitlichen grillgerüchen ...

verzierungen
die nadel, die farbe unter die haut sticht. viele kleine stiche, direkt aufeinander folgend. unterbrochen von dem tuch, das das blut wegwischt. wieder stiche. stiche, die die haut verletzen. die auf nervenenden stechen. die dem verstand folgen, nicht dem reflex. die einem die sinne schwinden lassen.
das heiße metal, das noch mehr verstand und kühle konzentration verlangt. das dem inneren vulkan gleich eine prägende narbe hinterläßt.

nicht falten alleine zeichnen eine lebenskarte ...



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wasser

das eigensinnige wasser

die drei wunderheiler
das märchen von den unverbesserlichen, die nicht hören können. nicht hören wollen. und dem eigensinnigen wasser, das die berge hinauf fließt ...



wunderheiler nummer eins.

meine mutter fühlte sich immer (fühlt sich noch) schuldig an meinem anderssein. unnötigerweise. als ich kind war, versuchte sie alles, um es zu ändern.

eines tages packte sie mich ins auto und fuhr mit mir irgendwohin ins tiefste niederbayern. ziel war ein alter bauernhof fern von jeder zivilisation. wir stiegen aus und gingen mit eingezogenem kopf in eine stube. eine absurd niedrige decke. eine holzbank. ein tisch. eine kleine kommode. ein kreuz mit blümchen davor in einer ecke.
am tisch saß ein ältlicher etwas schmuddeliger mann. er betrachtete mich, murmelte bayrische unverständliche worte. er fing an zu beten. er tauche ein stückchen watte in ein töpfchen mit öl und benetzte meine stirn damit. und betete. er nahm meine hände in seine. und betete. damit war die prozedur beendet. er gab uns ein fläschchen mit öl und kräutern und wir durften gehen, nachdem er eine dicke spende eingesteckt hatte ...

wofür es gut war? keine ahnung! für sein seelenheil? für das seelenheil meiner mutter? ich jedenfalls war zu klein, um zu begreifen, was diese erwachsenen denn eigentlich hatten?! ich war so, wie ich war, und ahnte nur sehr dunkel, daß es so nicht sein sollte.




wunderheiler nummer zwei.

ich war siebzehn. mittlerweile hatte ich gelernt, daß ich anders war. mein sein als unvollkommen wahrgenommen wird. ich zu leiden habe. ich mich gefesselt und benachteiligt zu fühlen habe.
aber ich hatte auch schon die wichtige lektion hinter mir, daß ich mich nicht beugen wollte und meine grenzen weiter sind als die horizonte der anderen. ich war die ganz andere unter den anderen, und ich hatte beschlossen, mich frei von ihren vorurteilen zu machen. ich hatte angefangen das leben zu leben, von dem sie nur träumen und nicht zu leben wagen. ich tat, was ich wollte. (und tue immer noch, was ich will.)

und dann kam dieser nachmittag. ich war mit meiner freundin, meinem alter ego, in der stadt. wir flogen durch die fußgängerzone. anders kann man es nicht beschreiben. denn, wenn man einen rollstuhl schiebt, wird man auf seltsame weise schneller. und wenn man, wie meine freundin, schon schnell geht, so steigert es sich zu einem dahinfliegen. wir waren wie immer damit beschäftigt zu plaudern und zu kichern, als plötzlich ...
da sprang ein mann in unseren weg. ende zwanzig. mit langem haar. weiten kleidern. er zwang uns, stehen zu bleiben. er schaute mich eindringlich an und sprach
"erhebe dich und gehe!"
ich glaubte, meinen ohren nicht trauen zu können und so fragte ich "was??"
er wiederholte: "erhebe dich und gehe!"
mit diesen worten packte er mich an den händen und wollte mich aus dem rollstuhl zerren.

es tut mir leid. aber ich bekam einen unglaublichen lachanfall.
es war höchst albern.
und laut lachen gingen wir einfach weiter.

ich weiß nicht, was dieser seltsame mann dann gemacht hat. ob ich ihn von seinen heilversuchen heilen konnte? jedenfalls wuchs in mir die wut, ständig in frage gestellt zu werden. nicht einfach ganz in ruhe ich selbst sein zu können. ständig mich an anderen messen lassen zu müssen.
ich entscheide, ob ich meine krankheit aufgeben will.




wunderheiler nummer drei.

er begegnete mir auf meiner australienreise. ich war schon zwei wochen mit meinen freunden unterwegs, fast jeden tag ein neuer ort, unendlich viele autofahrtstunden, unendliche viele sehenswürdigkeiten, landschaften, menschen. ein land, das mich faszinierte und mich mit seinen eindrücken füllte.
an jenem abend war ich allerdings etwas müde. wir wollten nur schnell etwas essen gehen und vielleicht noch einen trinken.
und da stand an der seite dieser kleine japaner mit einem buch in der hand. er hielt uns an und fragte, ob wir ihm die bedeutung eines wortes sagen könnten. er streckte uns das buch entgegen - es war die bibel. das wort habe ich vergessen, es war beliebig. und dann fragte er mich, ob er etwas ausprobieren dürfte.
er nahm meine hand, starrte mir intensiv in die augen, er stieß einen langen intensiven kampfschrei aus - und wollte mich aus dem rollstuhl ziehen.
etwas müde bedankte ich mich und sagte ihm, daß es nicht funktioniere, leise lächelnd.
doch, diesmal hatte ich energie gespürt.
aber ich war immer noch nicht bereit, mich gegen meinen willen von mir selbst heilen zu lassen.




die moral.

ich bin eigenwillig. ich möchte gefragt werden, ob ich an mir, an meinem leben etwas geändert haben möchte. ich bin so eitel zu behaupten, mein leben ist gut so, wie es ist.
wenn denn dann jemand etwas ändern möchte, dann würde ich ihm sagen, daß ich nichts hergeben möchte. es ist nicht perfekt. ja. aber welches leben ist es?
wenn ich meine grenzen aufgebe, dann müßte ich sie neu suchen. nur um wieder auf grenzen zu stoßen. wofür also?

und so komme ich nicht umhin zu behaupten, wunderheiler tun es für sich selbst. all die menschen, die ihre fürsorge und liebe und heilmittelchen und sprüche auf uns niederprasseln lassen - ungefragt. es ist eigennutzen.

es gibt die anderen "heiler", die tatsächliches interesse an ihrem gegenüber haben. sie hören erstmal zu. sie bieten ihre hilfe an. und ihre hilfe kann ich mit freudigem herzen annehmen.

die anderen dürfen sich zum teufel scheren ...



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